Hannah Arendt
Hannah Arendt wurde 1906 in Linden bei Hannover geboren und wuchs in Königsberg in einer jüdischen Familie auf. Sie studierte Philosophie bei Martin Heidegger und Karl Jaspers und promovierte mit Anfang zwanzig.
1933 floh sie vor den Nationalsozialisten aus Deutschland, lebte mehrere Jahre staatenlos in Paris und emigrierte 1941 in die USA. Dort wurde sie zu einer der einflussreichsten politischen Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Berichte über den Eichmann-Prozess prägten mit der „Banalität des Bösen" eine bis heute diskutierte Formel.
Arendt selbst verstand sich nie als Philosophin, sondern als politische Theoretikerin – das Denken sollte für sie nicht abseits, sondern inmitten der gemeinsamen Welt stattfinden. Sie starb 1975 in New York.
Erscheinen im gemeinsamen Handeln
Für Arendt verwirklicht sich der Mensch nicht im einsamen Nachdenken, sondern im Handeln – im gemeinsamen, sichtbaren Tun unter anderen Menschen. Erst im öffentlichen Raum, wo wir sprechen und handeln, treten wir als einzigartige Personen in Erscheinung und beginnen etwas Neues. Diese Fähigkeit anzufangen nennt sie „Natalität".
Ein gutes Leben heißt für sie deshalb, Verantwortung in der gemeinsamen Welt zu übernehmen, statt sich ganz ins Private zurückzuziehen. Wer sich aus dem öffentlichen Raum zurückzieht, verliert einen Teil dessen, was ihn als Mensch unter Menschen ausmacht.
Das Böse beginnt für Arendt dort, wo Menschen aufhören zu denken und zu urteilen. Der Funktionär Eichmann war für sie nicht dämonisch, sondern gedankenlos – er handelte, ohne sich die Folgen seines Tuns zu vergegenwärtigen. Ein guter Mensch behält darum die Fähigkeit, selbst zu denken und zu urteilen, und überlässt sie weder der Routine noch der Autorität.